12.11.2026
12:05 - 12:35 Uhr

Impuslvortrag
Processes & Worklflows

Stage 2

Matthias Eichenseher
Siemens AG

Von reaktivem Testen zu proaktiver QA – Warum Qualität nicht hineingetestet werden kann und ein Mindset Shift notwendig ist

Bei Qualitätsproblemen werde ich häufig als Experte hinzugezogen – oft mit einer klaren Erwartungshaltung und einem Management-Reflex: „Wir haben ein Qualitätsproblem, wir müssen mehr testen."

Diese Reaktion ist verständlich, greift jedoch zu kurz. Denn Qualität kann nicht hineingetestet werden – sie muss entwickelt werden.

Anhand praktischer Erfahrungen aus einem komplexen industriellen Systemumfeld zeigt der Vortrag, warum reaktives Testen zwar notwendig, aber nicht ausreichend ist, um nachhaltig Qualität sicherzustellen. Im Mittelpunkt steht der Wandel vom klassisch reaktiven Testen hin zu proaktiver QA (Quality Assurance), bei der Qualität als systematisch gesteuerte, organisationsweite Aufgabe verstanden wird.

Zentrales Fundament dieses Ansatzes ist eine QA-Policy als übergeordnetes Framework, aus dem alle qualitätsbezogenen Aktivitäten, Rollen und Maßnahmen abgeleitet werden. Der dafür notwendige Mindset-Shift ist kein einmaliges Big-Bang-Ereignis, sondern eine schrittweise Reise. QA-Maturity-Level helfen dabei, den aktuellen Standort transparent zu machen und gezielte Hinweise für eine strukturierte Weiterentwicklung zu liefern. Flankierend unterstützen Assessments dabei, Stärken, Lücken und konkrete Verbesserungspotenziale sichtbar zu machen.

Eine Schlüsselrolle in diesem Veränderungsprozess nimmt der QA-Engineer ein. Er agiert als Orchestrator, der die Fäden innerhalb der Organisation zusammenführt, Abhängigkeiten transparent macht und notwendige qualitätssichernde Maßnahmen gezielt einleitet und koordiniert. Ergänzt wird dieser Mindset-Shift durch ein begleitendes Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramm – sowohl für QA-Engineers als auch für die Organisation insgesamt. Ziel ist es, eine hohe Durchdringung, Akzeptanz und Nachhaltigkeit zu erreichen, auch wenn dies bedeutet, eingefahrene Denk- und Verhaltensweisen zu hinterfragen.

Der Vortrag adressiert typische Anti-Patterns, zeigt bewährte Vorgehensweisen aus der Praxis und gibt konkrete Impulse, wie Qualität nicht nur geprüft, sondern aktiv und nachhaltig entwickelt werden kann.

Matthias Eichenseher, Siemens AG

Matthias Eichenseher ist Principal Key-Expert für Test und Quality Assurance bei der Siemens AG im Bereich Digital Industries – Factory Automation und leitet das Technologiefeld „Validation of Intelligent Systems". Seit vielen Jahren unterstützt er Entwicklungs-, Test- und Management-Teams in komplexen industriellen Produkt- und Systemlandschaften bei der Weiterentwicklung von Qualität über Projekte und Organisationseinheiten hinweg. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf dem Übergang von reaktivem Testen zu proaktiver QA. Testen und Quality Assurance sind dabei nicht nur seine beruflichen Schwerpunkte, sondern auch seine großen Leidenschaften, die ihn täglich motivieren, innovative und nachhaltige Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Insbesondere die Verbindung aus methodischem Vorgehen, struktureller Klarheit und kreativem Denken im Kontext von Qualität macht für ihn den besonderen Reiz von Test und QA aus.