Thema: Testorganisation State of the Art

10:30 - 11:15 Uhr

Qualität und Qualifikation - ein Tester genügt nicht

Jörn Münzel, ITinera projects & experts GmbH & Co. KG

Der Test ist heute anerkannte Basis zur Qualitätsbewertung von IT-Systemen, gerade im Umfeld verteilter und agiler Entwicklungen sowie immer mehr vernetzten Infrastrukturen.

Die Aufgabe, die Qualitätsbewertung für ein Entwicklungsergebnis durchzuführen, muss sich aber den kommerziellen Randbedingungen aus Kosten und Time-to-Market stellen. Die daraus erfolgenden Anforderungen heißen

  • Risikobewertung:    Anpassung des Testumfanges an das Risiko der  Anforderungen;
  • Flexibilität:               Anpassung des Vorgehens an Organisations- und Anforderungsänderungen;
  • Effizienz:                 Wiederverwendung von Ergebnissen und Know-how

Ein Teil der Auflösung dieser Anforderungen heißt Organisation und Qualifikation der Beteiligten, denn nur passendes Personal kann für ein effizientes Räderwerk der Entwicklung und der Qualitätssicherung sorgen.

Der Vortrag zeigt für den Bereich Test, wie ein umfassendes, klares Modell helfen kann, die Organisation im Test zu unterstützen und die Entwicklung von qualifiziertem Personal zu fördern. Dies wird anhand eines Praxisberichtes aus dem Bereich der agilen Entwicklung unterlegt, um aufzuzeigen, dass Flexibilität noch stärker die Kompetenz und Spezialisierung der Tester fordert.

Um flexibel und effizient zu agieren und zu reagieren braucht man das passende Personal. Dazu gehören klare Anforderung an die Aufgaben, das Wissen und die persönlichen Kompetenzen der Team-Mitglieder.
Das German Testing Board e.V. (GTB) hat in den letzten 10 Jahren im Rahmen seines Dachverbandes ISTQB® (International Software Testing Qualifications Board) den Weiterbildungszyklus zum ‚Certified Tester‘® (CT) mit aufgebaut. Auf den Ebenen ‚Foundation Level‘, ‚Advanced Level‘ und ‚Expert Level‘ werden weltweit einheitlich grundlegende und vertiefende Kenntnisse über das Testen vermittelt und geprüft. Das ‚Certified Tester‘ Schema ist heute weltweit verbreitet und mit über 330.000 zertifizierten Testern das anerkannteste Ausbildungsschema im Bereich Software-Test.

Doch Testwissen allein ist nicht ausreichend um den Anforderungen an Kompetenz zu genügen. Neben Fachwissen braucht der Tester Wissen über den Anwendungsbereich, die eingesetzte IT und die gelebten Prozesse. Ebenso muss die Organisation ein Bild haben, welche Aufgaben zu bearbeiten und welche Qualifikationen erforderlich sind.
Dieser Vortrag zeigt wie das aktuelle Berufsbild Tester des GTB aufgebaut ist, um zu demonstrieren welche Vorteile für Tester und Organisationen sich daraus ergeben können.


Das Modell:
Im Rahmen der Entwicklung des Certified Tester hat sich gezeigt, dass es den ‚allgemeinen Tester‘ als Beruf in der Praxis nicht gibt und zu den Kenntnissen über das Testen weitere Fähigkeiten und Kompetenzen notwendig sind. Dies findet sich bereits teilweise in den vertiefenden Ausbildungsteilen des CT wieder, die Schwerpunkte wie z.B. Testmanagement, Testanalyse oder Testautomatisierung setzen.
Um in diesem Thema eine bessere Darstellung zu erreichen, hat das GTB  in Zusammenarbeit mit Interessierten begonnen ein Referenzschema zum Rollen- und Berufsbild Tester zu entwickeln.
Dieses Modell versucht ausgehend von den grundsätzlichen Aufgaben des Testers zu zeigen, wie sich steigende Komplexität in eine notwendige Spezialisierung entwickelt. Die grundsätzlichen Dimensionen dabei sind die Fach-Domäne, die IT-Struktur und der Prozess bzw. die Organisation. Ausgehend von der Kernrolle ‚Tester‘, die alle Aufgaben des Testprozesses für überschaubare Testaufgaben beinhaltet, enthält das Modell die sogenannten Basisrollen Test-Analyst (Dimension Fach-Domäne), Test-Designer (Dimension IT-Struktur) und Test-Manager (Dimension Prozess).  Erweitert ist das Modell dann in Spezialrollen, die sich anhand gesteigerter Komplexitäten der Testaufgaben und Testorganisation ableiten. Beispiele sind der Testdatenmanager, der Testumgebungskoordinator, der Testautomatisierer oder der Testspezialist für Last- und Performanztest.
Das Modell beschreibt für jede Rolle ihre grundsätzlichen Aufgaben und ordnet ihr in fünf Kategorien Wissens- bzw. Kompetenzvoraussetzungen zu. Die Kategorien sind Test-Wissen, Domänen-Wissen, IT-Wissen, Prozess-Wissen und kognitive Fähigkeiten bzw. soziale Kompetenzen. Um das Modell zu vervollständigen sind zu jeder Rolle die Kompetenz- und Verantwortungsstufen ‚Junior‘ (arbeitet nach Anweisung), ‚Advanced‘ (arbeitet selbständig) und ‚Senior/Expert‘ (konzipiert, leitet, verantwortet) definiert. Diese Stufen sollen zeigen, dass durch mehr Wissen, gemachte Erfahrung und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme eine Karriereentwicklung darstellbar ist.
Das Modell ist ein Referenzschema und soll in der Praxis helfen die Organisation und die Qualifikation der Mitarbeiter zu verbessern. Dazu kann es jeder Anwender auf seine konkreten Gegebenheiten  und Anforderungen anpassen.
Das Schema soll einerseits das Projekt- und Personalmanagement dabei unterstützen, zu erkennen für welche Aufgaben im Testbereich Personal mit entsprechen qualifizierten Fähigkeiten die geforderte Leistung bietet. Anderseits soll es auch dem ‚Tester‘ ermöglichen, sich gezielt weiterzubilden und karriereorientiert zu entwickeln (Karrierepfad). Weiterhin soll dieses Referenzschema die Ausbildungsanbieter von Hochschulen, GTB / ISTQB bis Weiterbildungsunternehmen unterstützen, hier entsprechende Angebote ergänzend zum jetzigen Certified Tester zu entwickeln.

Jörn Münzel, ITinera projects & experts GmbH & Co. KG

Jörn Münzel, Diplom-Informatiker, ist Leiter des Kompetenzzentrums Test und Qualitätssicherung der ITinera projects & experts und hat über 25 Jahre Berufserfahrung in Software-Entwicklung, Qualitätssicherung und Testen. Sein aktueller Schwerpunkt liegt im Bereich der Testverbesserung und des Testmanagements von Bankanwendungen. Als Mitglied im German Testing Board (GTB e.V.) setzt er sich für das Ausbildungsschema zum Certified Tester ein. Innerhalb des GTB leitet er die Arbeitsgruppen "Technical Advisory Group" und "Berufsbild Tester". Neben seiner Tätigkeit für das GTB engagiert sich Jörn Münzel seit 15 Jahren in der Fachgruppe "Test, Analyse und Verifikation von Software“ (TAV) der Gesellschaft für Informatik (GI).