Thema: Testorganisation State of the Art

11:45 - 12:30 Uhr

Herausforderungen des Testdatenmanagements in einer komplexen SOA-Umgebung

Daniel Tertilt, Qupe GmbH

Bernd Kannenberg, Bundesagentur für Arbeit

 

Softwaretests in einer komplexen Service-orientierten Architektur (SOA) bilden eine große Herausforderung hinsichtlich des Testdatenmanagements. Aufgrund der Verteilung der Funktionalität und der losen Kopplung zwischen Service-Provider und -Consumer müssen komplexe über die Services hinweg zusammenpassende Testdatenstrukturen erstellt werden, ohne Zugriff auf die Interna der Services zu haben. Werden Service-Provider, -Consumer und die Testumgebungen von unterschiedlichen Organisationseinheiten verwaltet, so kommt zu den technischen und fachlichen Herausforderungen auch noch die organisatorische Dimension hinzu.

Das Projekt ROBASO der Bundesagentur für Arbeit implementiert eine geschäftsprozessorientierte, rollenbasierte Integrationsanwendung, die zahlreiche in der IT-Landschaft vorhandene Anwendungen in Form einer SOA integriert und den Anwendern eine einheitliche Oberfläche für die tägliche Arbeit bereitstellt. In der ersten Stufe wird ROBASO von ca. 25.000 Anwendern genutzt werden. ROBASO besitzt keine eigene Datenhaltung und erhält seine Business-Objekte über die Services mehrerer Provider. ROBASO, die Service-Provider sowie die Testumgebungen sind in je unterschiedliche Organisationseinheiten eingegliedert.

Im Vortrag werden die Herausforderungen, mit denen das Testdatenmanagement in ROBASO konfrontiert wurde, sowie die organisatorischen und technischen Lösungen, vorgestellt. Hierbei wird zusätzlich differenziert zwischen dem fachlichen Test und dem Last- und Performancetest. Diese beiden Testarten, die wiederum in verschiedenen Testphasen (Entwicklertest, Integrationstest, Systemtest, Abnahmetest) und auf unterschiedlichen Testumgebungen durchgeführt werden, besitzen grundlegend unterschiedliche Anforderungen an die Testdaten. Die Projekterfahrung hat gezeigt, dass aufgrund dieser Anforderungen grundsätzlich unterschiedliche Wege zur Bereitstellung der Testdaten gegangen werden müssen.

Der fachliche Test zeichnet sich durch die Breite der notwendigen Prozesspfad-Abdeckung aus. Basierend auf den Vorgaben der Analyse benötigt die Testdatenerstellung für den fachlichen Test eine enge Kommunikation mit den Service-Providern zur Erstellung konsistenter Testdatenbestände. Die Testdatengewinnung erfolgt entlang eines eigens hierfür entwickelten Testdatenmanagementprozesses, der einer kontinuierlichen Verbesserung unterworfen ist. Zur Erstellung der synthetischen Testdaten kommen partnerverfahrens-spezifische Generatoren zum Einsatz. Die initiale Testdatenerstellung und Testdatenhaltung erfolgt für alle Entwicklungsprojekte und vorhandene Anwendungen in einer zentralen Testdatenbasis, welche sich außerhalb des Projektes ROBASO in einer Linienorganisationseinheit im Aufbau befindet. Die Herausforderung hierbei besteht im Wesentlichen darin, dass die Anforderungen von vorhandenen Anwendungen an die zentrale Testdatenbasis andere sein können, als sie eine SOA-Anwendung hat. Die Anforderungen aus diesen beiden Welten können sich auch widersprechen, weshalb tiefgehende Analysen und intensive Abstimmungen erforderlich sind. Wichtigste Erkenntnis solcher Abstimmungen war, dass bisher etablierte Standards für die Erfordernisse einer Anwendungslandschaft auf Basis des SOA-Paradigmas angepasst und in der Linienorganisation neu implementiert werden müssen. Das Projekt ROBASO hat neben seinem operativen Entwicklungsauftrag den strategischen Auftrag, aus den Entwicklungserfahrungen Erkenntnisse zur Anpassung von Prozessen/Methoden/Werkzeugen und Organisation zu erarbeiten und deren Umsetzung anzustoßen.

Im Gegensatz zum fachlichen Test ist im Last- und Performancetest die fachliche Breite der Testfallabdeckung deutlich geringer. Gleichzeitig steigt jedoch die benötigte Menge an Testdaten um ein Vielfaches auf bis zu 10.000 Testnutzer und 500.000 Testkunden an. Ein synthetisches Erstellen der Testdaten über die Clients der Service-Provider ist aufgrund des Umfangs nicht möglich. Als Mittel zur Bewältigung des benötigten Testdatenumfangs werden anonymisierte Produktionsdatenabzüge gewählt. Durch diese Wahl ergibt sich ein vollständig neues  Zusammenspiel von Akteuren verschiedener Organisationseinheiten: bei der Erstellung eines verfahrensübergreifenden Anonymisierungskonzepts erfolgt ein Zusammenspiel zwischen ROBASO, den Linieneinheiten der Systementwicklung und IT Security; der zeitgleiche Abzug der Produktionsdaten – notwendig für konsistente Testdaten – stellt hohe Anforderungen an die Betriebseinheiten; bei der Selektion passender Eingabedaten aus der großen Menge an Testdaten führt zu einer engen Synchronisation zwischen ROBASO und den Service-Providern.

Die Einführung einer SOA stellt alle Beteiligten der Tests und auch die Organisation vor neue Herausforderungen. Das Thema Testdatenmanagement ist ein gutes Beispiel, wie sich der integrative Gedanke auf die Testorganisation auswirkt. Die vorgestellten Vorgehensweisen haben sich im Projekt ROBASO bewährt. Gelernt haben wir: Damit der Test einer SOA erfolgreich sein kann muss sich nicht nur die Technik, sondern auch die Organisation anpassen.

Daniel Tertilt, Qupe GmbH

Dipl.-Inf. Daniel Tertilt ist Geschäftsführer der Qupe GmbH. Als Spezialist für Performance Management und Softwarearchitektur unterstützt er aktuell die Bundesagentur für Arbeit in der performanten Umsetzung des Projektes ROBASO und der SOA. Daniel Tertilt blickt auf eine umfangreiche Projekterfahrung als Entwickler, Softwarearchitekt sowie Projekt- und Teamleiter insbesondere in der Automobil- und Finanzbranche zurück. Als Dozent an der Hochschule für Ökonomie und Management in München gab er das gewonnene Wissen an Studenten weiter.

Bernd Kannenberg, Bundesagentur für Arbeit

Dipl. Ing. (FH) Bernd Kannenberg ist seit mehreren Jahren in unterschiedlichsten Rollen bei der Bundesagentur für Arbeit im Bereich der Systementwicklung tätig. Aktuell ist er im Rahmen des strategischen SOA-Projekts ROBASO (Rollenbasierte Oberflächen) der BA verantwortlich gewesen für den Bereich Test. Das Aufgabenfeld umfasst sowohl den fachlichen als auch den Last- und Perfomancetest der Anwendung die in der Stufe 1 für eine Zielgruppe von ca. 12000 Mitarbeitern vorgesehen ist. Vor seiner Tätigkeit bei der Bundesagentur war Herr Kannenberg sowohl für die Deutsche Bundespost als auch für die Deutsche Telekom tätig.