Thema: Testorganisation State of the Art

10:45 - 11:40 Uhr

Agile Organisation? Warum?

Holger Koschek, freiberufl. Berater, Trainer und Coach

 

In der Softwareentwicklung ist der Siegeszug agiler Vorgehensweisen nach wie vor ungebrochen – zumindest, wenn man "Agil" auf die Mechanik von Scrum beschränkt. Die lässt sich nämlich vergleichsweise einfach etablieren und befolgen. Schwieriger wird es, wenn man sich an die Wertepaare und Prinzipien des Agilen Manifests wagt. Spätestens dann wird deutlich, dass eine agile Denkweise nicht an der Tür zum Projektraum Halt macht. Und schon steht ein großer Begriff im Raum: die agile Organisation. Ein ganzes Unternehmen denkt und handelt nach agilen Prinzipien. Wie begegnet man dieser kühnen Idee? Offen und einladend? Höflich lächelnd? Ehrfürchtig? Ablehnend? Bevor sich die Menschen in einer Organisation diese Frage stellen, sollten sie zunächst einmal darüber nachdenken, was sie von agilem Denken und Handeln erwarten.
"Wie passt Agilität zu uns und zu dem, was wir tun?"
So kann die erste Frage lauten. Viele schlaue Menschen haben sich dazu Gedanken gemacht (einige von ihnen schon vor langer Zeit) und Modelle entwickelt, die bei der Beantwortung dieser Frage helfen. "Passt nicht!", kann dann die Antwort lauten. Wer will schon ein agiles Atomkraftwerk in seiner Nachbarschaft haben?
Stellen wir die Frage nun ein wenig anders:
"Wie passt Agilität zu uns und zu der Art, wie wir denken und handeln?"
Anstatt die agile Denkweise einfach auf unsere Welt zu projizieren, wagen wir den Perspektivwechsel und betrachten unsere Welt aus verschiedenen Blickwinkeln: Tun wir das Richtige? Machen wir es richtig? Ist unsere Organisation gesund? Ist unser Handeln sinnhaft und zweckvoll?
Drehen wir die Fragen um:
"Wir denken und leben agil - wie sollte dann unsere Organisation beschaffen sein? Was braucht sie, um gut zu funktionieren?"
Eine Antwort auf diese Frage lautet: die agile Organisation braucht Menschen. Gar nicht so einfach, die Passenden zu finden und ihnen die geeigneten Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten und Angebote für echte Partizipation zu machen. Wie gut, dass auch auf diesem Gebiet viel gedacht und experimentiert wurde. Menschen, denen man bessere Angebote für die verantwortungsvolle Zusammenarbeit macht, werden bessere Ergebnisse erzielen. Aber was heißt "besser" in diesem Zusammenhang? Anders gefragt:
"Welche Rolle spielt Qualität in der agilen Organisation?"
Die gute Nachricht vorweg: Qualität ist in den agilen Methoden fest verankert. Sie ist keine Stellschraube, die zum Projektende geopfert wird, sondern die zentrale Konstante im magischen Dreieck des Projektmanagements. Dauer (Zeit), Umfang (Funktionalität) und Kosten (Ressourcen, Personal) können und dürfen angepasst werden, aber die Qualität ist unantastbar. Dabei ist Qualität nichts Absolutes. Sie richtet sich an den Bedürfnissen der Anwender aus. Sie braucht aber auch starke Fürsprecher und Paten, die bei allen Beteiligten immer wieder in Erinnerung rufen, dass Softwareentwicklung ein Handwerk im besten Sinne des Wortes ist. Deshalb wird dieser Vortrag auch die Frage stellen, wo in einer agilen Organisation das Qualitätsmanagement angesiedelt sein wird.
Dieser Abstract deutet es an: Der Vortrag stellt viele Fragen. Warum keine Antworten? Weil die Transition zur agilen Organisation ein individueller und lang laufender Prozess ist, den man nicht in 45 Minuten abschließend erläutern kann. Stattdessen möchte ich zu einer Diskussion einladen - so beantwortet man Fragen auf die agile Art...

Holger Koschek, freiberufl. Berater, Trainer und Coach

Dipl.-Inform. Holger Koschek ist selbstständiger Berater, Trainer und Coach. Er begleitet Projekte und Organisationen bei der Einführung und Verankerung agiler Denk- und Vorgehensweisen im Produkt- und Projektmanagement und der Unternehmensführung.

Dabei stützt er sich auf seine langjährige Erfahrung mit objektorientierter und agiler Softwareentwicklung. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen (u.a. "Geschichten vom Scrum" und "Scrum - kurz & gut"), regelmäßiger Sprecher auf Konferenzen und engagiert sich in agilen Communitys.